Westzugang zum Bahnhof

Stadt will um Bahnhof kämpfen

VON PETER KORN

Leichlingen (RP) Auch wenn die Deutsche Bahn beim Umbau des Leichlinger Bahnhofs keinen einzigen Wunsch der Stadt berücksichtigt hat, soll weiterhin für einen Zugang auf der Westseite gestritten werden. Doch das wird schwierig.

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Nächste Sitzung

Die nächste Sitzung des für das Thema Bahnhof zuständigen Verkehrs- und Betriebsausschusses findet am Donnerstag, 19. Mai, um 17.30 Uhr im Rathaus statt.

"Arrogant, kaltschnäuzig, von oben herab" – es waren deutliche Worte, die Bürgermeister Ernst Müller am Donnerstagabend im Leichlinger Stadtrat für das Verhalten der Deutschen Bahn fand. Die baut jetzt den Bahnhof um, ohne dabei auch nur auf einen einzigen Wunsch der Stadt einzugehen (wir berichteten). Keine Toilette, kein Bahnsteigdach, kein Zugang zum Mittelbahnsteig von der Westseite her (also der Raiffeisenmarkt-Seite), alles in allem nicht die geringste Kompromissbereitschaft – Gespräche "auf Augenhöhe" sehen anders aus, urteilte Müller.

Dennoch will der Verwaltungschef in den kommenden Wochen verstärkt noch einmal das Gespräch mit den Bahn-Oberen suchen. Denn dank eines weiteren "Nackenschlags" seitens des Konzerns muss die Stadt nun auch noch fürchten, dass das entscheidende Grundstück für den (angesichts 13 Stunden geschlossener Schranken pro Tag so dringend benötigten) Westzugang meistbietend an einen privaten Interessenten verkauft wird. In einem Immobilien-Portal hatte die Stadt eine Anzeige entdeckt, wonach die Bahn das mehr als 5300 Quadratmeter große, langgezogene Areal zwischen dem Erzeugermarkt und Adrion im Versteigerungsverfahren anbietet: "Ehemalige Ladestraße am Bahnhof Leichlingen zu verkaufen", ist dort zu lesen. "Ich hätte erwartet, dass sie sich vorher mal an uns wenden", sagte Müller. Fehlanzeige.

Eindeutiges Votum gefragt

Nun soll verhandelt werden, damit die Bahn ihr Verfahren "wer am meisten bietet, gewinnt" aufgibt und die Stadt das Gelände erwerben kann. Doch selbst wenn das gelingt, bleiben noch viele Fragen offen. Beispielsweise jene, wer einen zweiten Bahnsteigzugang denn überhaupt bezahlt? "Die Bahn hat immer klar gemacht, dass sie sich an den Kosten nur dann beteiligt, wenn wir uns im Gegenzug bereiterklären, den Bahnübergang zu schließen", führte der Bürgermeister im Stadtrat aus.

"Dann lassen Sie uns das jetzt so beschließen und mit diesem Votum zur Bahn gehen", beantragte Volker Jung (Bürgerliste Leichlingen-Witzhelden). "Kommt nicht in Frage"; hielt die SPD dagegen. Eine dauerhafte Schließung der Schranken würde "einen ganzen Stadtteil von der Innenstadt abschneiden", argumentierte Fraktionschef Hans Gonska unter dem Beifall seiner Parteikollegen: "Das können Sie doch nicht einfach mal so Hau-Schnau beschließen."

Ein Beschluss machte auch für Baudezernentin Barbara Hammerschmidt nur dann Sinn, "wenn es eine Rahmenplanung für den gesamten Bereich gibt". Aber auch da habe weder der zuständige Fachausschuss noch die aus der Politik gebildete Projektgruppe Bahnhof ein klares Votum gefasst.

Darüber soll nun in der kommenden Sitzung des Verkehrs- und Betriebsausschusses beraten werden. So lange will auch Volker Jung mit seinem Schließungs-Vorstoß noch warten. Die Stadt legte für den Fall, dass der Bahnübergang tatsächlich wegfällt, jetzt vier Planungs-Varianten vor: von einer Verbindung für Radfahrer und Fußgänger (2,1 Millionen Euro) bis hin zum Bau einer Überführung auch für Pkw (10 Millionen). "Schranken zu" – das sollte laut Verwaltung aber auf keinen Fall ohne eine Alternative für Autos beschlossen werden. Da bleibt noch jede Menge Beratungsbedarf.

Rheinische Post vom 16.4.11

Können die Weichen noch anders gestellt werden?

BahnhofRAT Die Zukunftdes Bahnhofs und des Übergangs Hochstraße erhitztdie Gemüter.
Von Kathrin Schüller

Leichlingen. „Die Gespräche verlaufen kaltschnäuzig und von oben herab“, schießt Bürgermeister Ernst Müller in Richtung Deutsche Bahn. Stefan Clemen (CDU) spricht von mangelndem Einsatz der Stadt. Die wiederum vermisst klare politische Entscheidungen - auch aus den Reihen des eigens gebildeten Arbeitskreises.

„Wir können nicht einen ganzen Stadtteil vollkommen abschneiden“

Gereizte Stimmung gestern Abend im Rat. Der Grund: Die Vorarbeiten zur Modernisierung des Leichlinger Bahnhofs haben begonnen, Wünsche der Stadt blieben unerhört (ST berichtete). Dreh- und Angelpunkt der Debatte ist der Übergang Hochstraße. Nur wenn er endgültig geschlossen wird, will sich die Bahn an den Kosten für den geforderten Westzugang beteiligen.

Es hat etwas vom Mut der Verzweiflung, als BWL-Mann Volker Jung kurzerhand beantragt, die Schranke zu schließen. „Nicht mit uns“, so die prompte Antwort von SPD- Fraktionschef Hans Gonska: „Wir können nicht einen ganzen Stadtteil vollkommen abschneiden.“ Das Ende vom Lied: Jung zieht seinen Antrag zunächst einmal zurück. Mehrheitlich spricht man sich dafür aus, erneut in die Beratungen einzusteigen.

Übermäßige Eile ist auch gar nicht geboten: „In den jetzigen Bauabschnitt können wir nicht mehr reingrätschen“, so Baudezernentin Barbara Hammerschmidt. Offiziell beginnt Mitte Juli der Rückbau des Mittelbahnsteigs. Dann muss auch das alte Dach weichen. Wetterschutz bieten künftig nur noch überdachte Wartehäuschen.

Um langfristig doch noch eine andere Weichenstellung fürs Bahnhofs-Areal möglich zu machen, schlägt die Verwaltung unter anderem vor, den Übergang an der Hochstraße zu belassen, den barrierefreien westlichen Zugang zum Bahnsteig zu schaffen und ihn an die die östliche geplante Rampenanlage der DB zur Straße „Am Bahnhof’“ anzubinden. Außerdem soll westlich der Gleise eine Park- und Ride-Anlage mit 30 Parkplätzen eingerichtet werden.

Damit geprüft werden kann, ob das überhaupt machbar ist, sind jedoch nicht nur Beschlüsse sondern auch die notwendigen Grundstücke erforderlich. Wie hier weiter verfahren werden soll, auch darüber wurde gestern noch debattiert. Allerdings hinter verschlossenen Türen. Leichlingens Verwaltungschef hatte dringend von einem öffentlichen Schlagabtausch abgeraten, weil es die Verhandlungen erschwere. KS

Solinger Tageblatt vom 15.4.11