Der Feuerwehr fehlt Personal
VON PETER KORN
Leichlingen (RP) Rund 30 Einsatzkräfte könnte die Freiwillige Feuerwehr Leichlingen noch vertragen. Dies ist eines der Ergebnisse des neuen Brandschutz-Bedarfsplanes, der am Montag vorgestellt wurde. Vor allem Atemschutzträger fehlen.
Acht Feuerwehrleute in der Stadtmitte, zwölf in Oberschmitte und zehn in Witzhelden – so viel zusätzliches Personal könnte die Freiwillige Feuerwehr Leichlingen durchaus noch vertragen. Dies ist eines von zahlreichen Ergebnissen des neuen Brandschutz-Bedarfsplans, den Gutachter Holger de Vries vom beauftragten Ingenieurbüro Forplan am Montag im Haupt- und Finanzausschuss vorstellte.
Nicht nur in Leichlingen
Der rund 240 Seiten starke Bericht, der unter anderem die Schlagkraft der Feuerwehr analysiert und Anschaffungen für die kommenden fünf Jahre auflistet, stellt Leichlingen alles in allem ein Zeugnis aus, mit dem man zufrieden sein kann. Er legt aber auch den Finger in ein paar kleinere Wunden, die zwar nicht blütenstadt-spezifisch, aber eben auch hier zu verzeichnen sind. Einige davon nannte de Vries in der Sitzung.
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Info Digital-Funk Insgesamt 180 000 Euro weist der Brandschutzbedarfsplan für die Anschaffung von digitalen Funkgeräten mitsamt dazugehörender Technik aus. Für diese vom Land NRW beschlossene Maßnahme hatte Gutachter Holger de Vries im Haupt- und Finanzausschuss nur Spott übrig: "Das ist so, als wenn Sie in einen Mobilfunkladen gehen und sagen, Sie möchten gern ein 15 Jahre altes Handy, für das Sie mindestens 1000 Euro bezahlen wollen", sagte er. |
73 Mitglieder haben einen Lkw-Führerschein. Das bezeichnete der Feuerwehrexperte als "sehr schön". Weniger erfreulich sei aber, dass nur 70 Wehrleute Atemschutzgeräte tragen dürften, also gerade 46 Prozent. "Das kann an fehlenden Lehrgangsangeboten des Kreises liegen, aber auch am Fitness-Stand der Personen", sagte de Vries. In jedem Fall müsse man da etwas tun.
Wichtige Maßnahmen, die in diesem und den Folgejaren umgesetzt werden sollen, sind unter anderem:
Feuerwehrhaus Witzhelden
Das marode Feuerwehr-Gerätehaus in Witzhelden wird saniert. Beginn soll noch in diesem Jahr sein. Nicht nur für Volker Jung (BWL) ist das die dringlichste Maßnahme: "Wenn ich bedenke, dass wegen der baulichen Situation ein Mitglieder-Aufnahmestopp verhängt wurde und wir jetzt darüber reden, dass uns Wehrleute fehlen, zeigt das doch wohl klar, was jetzt als erstes getan werden muss", betonte Jung.
Gerätewagen Logistik
Die Brandbekämpfer bekommen zwar nicht den früher so sehr gewünschten Rüstwagen, dafür aber einen so genannten Gerätewagen Logistik, der Ausrüstung für Technische Hilfe enthält und laut de Vries wesentlich flexibler einsetzbar ist und für die allermeisten Fälle ausreiche.
Bei der Suche nach Ausbildungs-Räumlichkeiten (Parkhäuser etc.) und Schlauchtrocknungs-Anlagen, über die Leichlingen selbst nicht verfügt, sucht die Stadt nach den Worten von Bürgermeister Ernst Müller nach Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Städten.
Und im Laufe der kommenden Jahre werden nicht nur Löschfahrzeuge erneuert, sondern wird auch die Drehleiter gründlich überholt.


Rheinische Post vom 13.4.11
Besonders in Witzhelden brennt es
FREIWILLIGE FEUERWEHR Der neue Bedarfsplanfür Brandschutz fordert Umbauten, neue Fahrzeuge und auch mehr Leute
Leichlingen. Deutliche Risse durchziehen das Gebäude der Witzheldener Feuerwehrwache, hier wie auch bei anderen Löschzügen sind die Sanitärbereiche nicht nach Männern und Frauen getrennt, auch die „Schwarz-Weiß-Trennung“ fehlt: Gemeint ist ein Bereich, in dem verrußte Kleidung abgelegt werden kann, bevor es unter die Dusche geht.
Auf 250 Seiten stellt der neue Brandschutzbedarfsplan den Ist-Zustand der Freiwilligen Feuerwehr auf den Prüfstand. Mängel und notwendige Verbesserungen werden aufgelistet.
Im Haupt- und Finanzausschuss wurde das Mammutwerk präsentiert. Rund neun Monate hat es gedauert, bevor die einzelnen Punkte in ein auswertbares Format umgesetzt waren. Vorausgegangen waren Gespräche zwischen Feuerwehr, Verwaltung und Sicherheitstechnikern.
Diplom-Ingenieur Dr. Holger de Vries vom Bonner Unternehmen „Forplan“ stellte das Gutachten vor und zeichnete ein scharfes Bild aktueller Feuerwehrarbeit. „Mit früher ist das nicht vergleichbar.“ Ein Beispiel: In den 70er Jahren sei ein Feuerwehrauto noch ein roter Lastwagen mit Zubehör gewesen, heute wären die Wagen komplett elektrifiziert. Der Aufwand allein für die Wartung entspräche mit rund 1400 Stunden im Jahr in etwa einer Vollzeitstelle.
Als reiner Schätzwert, um möglichst bald anfangen zu können, sind für Umbau und Erweiterung der Wache in Witzhelden 600 000 Euro vorgesehen. Außerdem sollen die Züge in Oberschmitte und Friedrichshöhe neue Tanklöschfahrzeuge bekommen. Statt des Rüstwagens mit Rettungsgeräten, die bei schweren Unfällen erforderlich sind, soll ein „Gerätewagen Logistik“ angeschafft werden. 195 000 Euro stehen im Haushalt bereits für den Schlauchtrocken- und Übungsturm der Wache Am Wallgraben bereit. Nicht nur hier will man aber mehr über den Tellerrand hinausschauen und eventuell die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen suchen. Damit die ständige Einsatzbereitschaft der Feuerwehr gesichert ist, schreibt das Gutachten 180 Kräfte vor. Danach müssten 30 neue Mitglieder geworben werden.
Das letzte Wort hat der Rat am Donnerstag. Beginn der Sitzung ist um 17.30 Uhr. KS
Solinger Tageblatt vom 13.4.11