Kunstrasenplätze werden gebaut!

Erfolg nach geheimer Abstimmung

Von Hans-Günter Borowski

Vorerst erleichtert konnten Stadtsportverbands-Vorsitzender Karlheinz Dick und SCL-Vorstand Udo Mau die jüngste Ratssitzung verlassen: Der Bau der beiden Kunstrasenplätze ist so gut wie gesichert.

KunstrasenAbst In Leichlingen sollen zwei Kunstrasenplätze entstehen. (Archivbild: Arlinghaus)

Leichlingen - Der Bau der beiden Kunstrasenplätze, die bei den Etatberatungen zur Diskussion und wegen der angespannten Finanzlage zeitweilig zur Disposition standen, ist so gut wie gesichert. Wenn der überarbeitete und wie berichtet äußerst knapp gestrickte Haushaltsplanentwurf von Landrat und Bezirksregierung genehmigt wird, können beide Plätze in Witzhelden und in der Balker Aue mit dem modernen Belag versehen werden.

Baubeginn 2010?

Das lässt sich die Stadt eine gute Million kosten, wovon allerdings 700 000 Euro als Zuschuss aus dem Konjunkturpaket des Bundes stammen. Baubeginn kann noch 2010 sein. Um die hohen Kosten zu drücken, wird an beiden Orten auf neue (40- bis 50 000 Euro teure) Flutlichtanlagen verzichtet und ein preiswerteres Füllmaterial verwendet als bislang geplant. Zudem sind Eigenleistungen und Spenden möglich.

Bis sie ihren Sportsfreunden diese gute Nachricht überbringen konnten, mussten Dick und Mau aber qualvolle Stunden durchleiden. Denn CDU und FDP waren mit der festen Absicht in die entscheidende Sitzung gegangen, aus Kostengründen nur einen Platz statt zwei zu bauen - und zwar den in der Innenstadt. Die Christdemokraten wollten so notgedrungen Geld sparen, um Mittel für die Sanierung der Turnhalle in Flamerscheid und Fahrzeugbeschaffungen der Feuerwehr frei zu bekommen.

Ihre Wahl fiel auf die Balker Aue, weil dieses Projekt nur halb so viel kostet wie sein Pendant in Witzhelden und weil der Platz an der Wupper für den Schulsport wichtiger ist. Die anderen Fraktionen hielten dem entrüstet entgegen, dass die Anlage in Balken noch so gut in Schuss sei, dass sie fünf Jahre halte, der Ascheplatz in Witzhelden aber so marode, dass er ohnehin dringend repariert werden müsse. Vor allem Volker Jung (Bürgerliste) warf sich für Witzhelden ins Zeug und warnte seine Kollegen von der CDU vor einer „politischen Erosion“ im Höhendorf: Vor allem die Kinder aus den Sportvereinen stünden vor einem Scherbenhaufen, wenn man ihnen den Sportplatz vorenthalte.

Ein anderes starkes Argument lieferte die Verwaltung: Wenn man den Witzheldener Tennenplatz nicht in einen Kunstrasen verwandeln woll, müsse er dennoch mit hohem Aufwand repariert werden, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Die nötige Reparatur würde grob geschätzt 300 000 Euro verschlingen.

Am Ende setzte sich in geheimer Abstimmung ein Kompromisspaket durch, das mehrheitlich verabschiedet wurde, in dem zwei Regionale-Projekte gestrichen wurden, dafür beide Kunstrasen-Plätze enthalten sind.

Kölner Stadtanzeiger vom 20.7.10

Beide Kunstrasenplätze "gerettet"

Leichlingen (RP) Der Umbau des Witzheldener Sportplatzes am Scharweg in ein Kunstrasenfeld stand gestern in der Sonderratssitzung lange auf der Kippe. Denn die CDU in Gestalt von Fraktionsführer Frank Hake hatte bei den Beratungen über die notwendigen weiteren Einsparungen im Stadt-Etat beantragt, die Ausgaben für diese Maßnahme zu streichen und das Geld stattdessen für die Sanierung der Turnhalle an der Grundschule Flamerscheid zu verwenden.

Jung warnte vor politischer Erosion

Dem Neubau eines Kunstrasenfeldes in der Balker Aue stimmte die CDU dagegen zu – mit der Begründung, dass es dafür möglicherweise weitere Fördermittel geben könne, weil das Areal Landesleistungsstützpunkt sei. Bürgermeister Ernst Müller korrigierte: Der Landesleistungsstützpunkt beziehe sich auf den Rasenkraftsport, "und den werden wir mit seinen Hämmern tunlichst vom Kunstrasen fernhalten". Folglich seien aus dieser Richtung auch keine Extra-Mittel für das Spielfeld zu erwarten. Volker Jung (BWL) warnte die Christdemokraten: "Wenn Sie den Witzheldenern den Kunstrasenplatz verweigern, kommt es dort zu einer politischen Erosion. Vor allem die Kinder stünden dann vor einem Scherbenhaufen und würden die Welt
nicht mehr verstehen." Wolf Melchior (FDP) hielt dem entgegen: "Wir sind durchaus für Kunstrasenplätze, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Was ist denn wichtiger? Kunstrasenplätze oder Schulsanierungen?"

Bürgermeister Müller erinnerte daran, dass von den rund 1,030 Millionen Euro Kosten für beide Kunstrasenanlagen 700 000 Euro aus dem Konjunkturpaket II flössen – Geld, das unwiderruflich verloren gehe, wenn die Stadt es in diesem Jahr nicht abrufe. Der mit knapper Mehrheit angenommene Kompromiss sah schließlich so aus:

- Die Kunstrasenplätze in Leichlingen und Witzhelden werden in leicht abgespeckter Version gebaut.

- Die Mittel für die vor allem von der CDU befürwortete Teilnahme der Stadt am Energiesparprogramm European Energy
  Award bleiben im Etat.

- Die im Zuge des Stadtentwicklungsprojektes Regionale 2010 eigentlich geplante Umgestaltung von Marktplatz Brückerfeld
  und Brückenstraße einschließlich Verschönerung der Marly-Brücke wird gestrichen. Das eingesparte Geld fließt in eine
  kostengünstige Sanierung der Turnhalle an der Grundschule Flamerscheid.

Rheinische Post vom 17.7.10