Rüstwagen muss in 2011 kommen!

Feuerwehrchef: Stadt informiert falsch

VON PETER KORN

Leichlingen (RP) Einen Tag nach der Verabschiedung des städtischen Finanzetats für 2010 hat Leichlingens Feuerwehrchef Horst Schmidtberg schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung erhoben. Diese habe die Ratsmitglieder "bewusst oder unbewusst" falsch informiert. Die Stadt wies das prompt empört zurück.

FeuerwehrRat
Draußen parkten die Löschfahrzeuge – drinnen im Ratssaal verfolgten die Wehrleute die Sitzung. RP-Foto: Uwe Miserius
Draußen parkten die Löschfahrzeuge – drinnen im Ratssaal verfolgten die Wehrleute die Sitzung. RP-Fotos: uwe Miserius

Vor dem Rathaus parkten Drehleiter und Löschfahrzeug, drinnen besetzten einige Dutzend Feuerwehrmänner die Besucherstühle im großen Sitzungssaal. Was sie zu hören bekamen, gefiel ihnen ganz und gar nicht. Kein Rüstwagen, kein neues Fahrzeug für den Löschzug II, kein neuer Schlauchtrockenturm – lediglich 60 000 Euro für den Bau von Umkleiden sowie moderne Scheren und Spreizer, um Menschen bei Verkehrsunfällen aus ihren Fahrzeugen befreien zu können. Das hatten die Politiker mit breiter Mehrheit entschieden.

"Wir müssen damit leben"

"Wir müssen damit leben", erklärte Leichlingens Feuerwehrchef Horst Schmidtberg gestern in einer ersten Reaktion. Doch dann legte er nach. Er sei während der Ratssitzung geradezu schockiert gewesen, "wie die Ratsmitglieder von der Stadtverwaltung mit falschen Informationen versorgt werden", schimpfte der ranghöchste Brandbekämpfer in der Blütenstadt.

Info
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Zahlen zum Stadtetat

- Haushaltsdefizit 8,5 Millionen Euro
- Allgemeine Rücklage 131,3 Millionen
- Kommunalkredit-Steigerung 51%

- Investive Einzahlungen:
- Mensa-Bau 3,5 Millionen Euro
- Umsetzung Regionale 2010 2,2 Millionen
- Ausbau der städtischen Kindertagesstätten
 540 000 Euro

Schmidtberg bezog sich dabei unter anderem auf eine Äußerung von Bürgermeister Ernst Müller, bei der es um den von den Wehrleuten so vehement geforderten eigenen Rüstwagen ging. Bisher wird das Fahrzeug, das wichtiges technisches Gerät aller Art enthält, im Ernstfall aus Burscheid angefordert. Volker Jung, Fraktionschef der Bürgerliste Witzhelden-Leichlingen, hatte bemängelt, von dort sei der Anfahrtsweg zu lang. Als vergangene Woche bei einem Kaminbrand an der Immigrather Straße die Leichlinger Drehleiter defekt war, habe das Ersatzfahrzeug aus Burscheid weit mehr als 20 Minuten benötigt. Zu lang, befand Jung.

"Das können Sie so nicht vergleichen", hatte Müller geantwortet. Im Falle eines Rüstwagen-Einsatzes werde das Burscheider Fahrzeug unmittelbar von der Kreisleitstelle mit alarmiert, sei also schneller.

"Stimmt nicht", behauptet Schmidtberg. Das schließe die Vereinbarung mit Burscheid aus. Den Wagen müsse jeweils der Einsatzleiter anfordern. Den Ratsmitgliedern würden "bewusst oder unbewusst" falsche Informationen gegeben. "Die sollen entscheiden, haben aber noch keinen Brandschutzbedarfsplan, vorliegen, der notwendige Anschaffungen auflistet."

Müller reagierte entrüstet auf die Vorwürfe. So etwas von einem städtischen Ehrenbeamten vorgehalten zu bekommen, sei "ein starkes Stück", befand der Bürgermeister. Er selbst habe schließlich gemeinsam mit UWG und BWL im Rat ausdrücklich für den neuen Rüstwagen votiert, sei aber überstimmt worden. "Es war die Stadtverwaltung, die die Anschaffung überhaupt vorgeschlagen und klar begründet hat – so wie Schlauchtrockenturm und Löschfahrzeug." Das sei auch ohne Bedarfsplan allen klar gewesen.

Die Politiker wollten dennoch lieber sparen und schoben die Projekte – dafür nun als Verwaltungschef aber den Schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen, ist für Müller "absolut nicht nachvollziehbar".

Rheinische Post vom 1.5.10

Wohnungsbrand

Durchs Dachgeschoss gekämpft

Nach einem Dachstuhlbrand in Junkersholz sind zwei Wohnungen unbewohnbar. Die Feuerwehr musste den anfänglichen Kaminbrand, der aufs Dachgeschoss übergriff, mit sechs Angriffstrupps und Spezialwerkzeug bekämpfen.

Leichlingen - Auf 100.000 Euro schätzt die Feuerwehr den Sachschaden, der am Sonntagmorgen bei einem Dachstuhlbrand in Junkersholz entstanden ist. Zwei Wohnungen sind unbewohnbar. Vier Menschen konnten das Gebäude unversehrt verlassen. Sie wurden von einem Notfallseelsorger betreut. Die Ursache des Brandes, der sich durch das ganze Dachgeschoss gefressen hatte, ist noch nicht geklärt. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann am Fuß verletzt. Der Notruf traf kurz vor 8 Uhr ein. Da quoll bereits dichter schwarzer Rauch aus dem Dach. Einsatzleiter Horst Schmidtberg alarmierte alle vier Löschzüge und forderte auch den Rüstwagen, den die Leichlinger Feuerwehr nicht hat, und die Drehleiter aus Burscheid an. Drei Trupps drangen unter Atemschutz durch das Obergeschoss vor und mussten sich mit Kettensägen und Stemmwerkzeug aus dem Rüstwagen Zugang zu der abgehängten Decke, dem Flachdach und Dachgeschoss verschaffen.

Von außen wurden der Kamin gelöscht und über die Drehleiter Rauch- und Wärmeabzugslöcher ins Dach geschlagen. Ein Übergreifen des Feuers auf das angrenzende Doppelhaus konnte vermieden werden. Eine Brandwache blieb bis 13 Uhr an der Einsatzstelle. (hgb)

Kölner Stadtanzeiger vom 2.5.10

100 000 Euro Schaden nach Brand

VON PETER KORN

Leichlingen (RP) Im Kamin eines Fachwerkhauses in der Ortschaft Junkersholz ist gestern Morgen gegen 8 Uhr ein Feuer ausgebrochen, das auf den Dachstuhl übergriff. Weil der Zugang zum Dach versperrt war, musste die Feurwehr den Rüstwagen mit schwerem technischen Gerät aus Burscheid anfordern.

In den Blumenkästen vor den Fenstern des alten Fachwerkhauses blühen die Geranien, das Gebäude macht einen hübschen Eindruck – doch damit ist es beim Blick auf das Dach schlagartig vorbei. Große Löcher sind in den First hineingesägt, Ziegel teilweise abgedeckt.

Das obere Geschoss vorerst unbewohnbar, das Dach aufgeschnitten und geschätzte 100 000 Euro Sachschaden: Das ist das Ergebnis des Brandes, der sich in Junkersholz gestern Morgen abgespielt hat.

Das Feuer war gegen 8 Uhr im Kamin des Fachwerkhauses ausgebrochen. Als die Leichlinger Feuerwehr, die alle vier Löschzüge im Einsatz hatte, in der Ortschaft ankam, musste sie feststellen, dass die Flammen bereits auf den Dachstuhl übergriffen. Doch der Weg zum eigentlichen Brandherd war versperrt.

Kein direkter Zugang zum Dach

"Die Decke war abgehängt", berichtete Feuerwehrsprecher Thomas Schmitz. "Es gab keinen direkten Zugang zu dem Hohlraum, in dem es brannte." Deshalb wurde das Dach von der Drehleiter aus kurzerhand mit Motorsägen und elektrischem Stemmwerkzeug aufgeschnitten.

Pikantes Detail am Rande: Dazu musste der Rüstwagen aus der Nachbarstadt Burscheid vom Einsatzleiter angefordert werden. Eben jenes Fahrzeug, dessen Anschaffung die Mehrheit der Leichlinger Ratspolitiker noch in der vergangenen Woche abgelehnt hatte – unter anderem mit der Begründung, das Fahrzeug sei im vergangenen Jahr lediglich zwei Mal im Einsatz gewesen.

Auch in das Dach des unmittelbar angrenzenden Nachbarhauses mussten die Feuerwehrleute ein Loch schneiden, um zu prüfen, ob das Feuer auf das Gebäude übergegriffen hatte. "Das war aber zum Glück nicht der Fall."

Mit einem massiven Angriff von innen und außen brachten die Wehrleute das Feuer schnell unter Kontrolle – und überprüften dabei permanent mit Hilfe einer Wärmebildkamera, ob auch wirklich keine weiteren Gefahrenherde bestanden.

Gegen 10.15 Uhr rückten die Wehrleute ab, nur eine Brandwache blieb noch bis mittags zur Sicherheit in Junkersholz. Der Brandort wurde an die Polizei übergeben.

Gut funktioniert hat gestern übrigens einmal mehr die automatische Mitalarmierung des Leichlinger Ordnungsamts über die Leitstelle – in anderen Städten ist das keineswegs üblich. Ordnungsamtsleiterin Brigitte Gutendorf war selbst in Junkersholz. Und konnte immerhin berichten, dass ein Teil der betroffenen Familie wohl bei Verwandten unterkommt. Denn von dem Fachwerkhaus ist vorerst nur noch das Erdgeschoss bewohnbar.

Rheinische Post vom 3.5.10

Fachwerkhaus brannte

In Leichlingen ist gestern (02.05.10) das obere Geschoss eines Fachwerkhauses komplett ausgebrannt. Die Bewohner konnten sich nach Feuerwehrangaben unverletzt aus dem Haus retten. Die Freiwillige Feuerwehr Leichlingen war bei der Brandbekämpfung auf technische Unterstützung aus Burscheid angewiesen. Nur mit Hilfe eines speziellen technischen Einsatzwagens konnten die Einsatzkräfte den brennenden Dachstuhl aufbrechen und zum Brandherd vordringen. Der Rat der Stadt Leichlingen hatte die Anschaffung des 400.000 Euro teuren Rüstfahrzeugs vorige Woche noch abgelehnt. Das hatte zu heftiger Kritik geführt.

WDR Lokalzeit vom 3.5.10

Kommentar (3.5.10)
Die BWL-Fraktion hatte sich im Zuge der Haushaltsberatungen intensiv mit den Forderungen der Feuerwehr auseinandergesetzt und den Wehrleiter, Horst Schmidtberg, zu Ausstattungsnotwendigkeiten befragt. Für die Feuerwehr stand der Rüstwagen an oberster Stelle und deshalb hatte sich die BWL-Fraktion für dessen Anschaffuing eingesetzt. Noch in der entscheidenden Ratssitzung am 29.4. beantragte BWL-Fraktionsvorsitzender Volker Jung die Einstellung der Anschaffungskosten des Rüstwagens in den Haushalt 2010. Nur drei Ratsmitglieder aus anderen Fraktionen folgten dem BWL-Antrag.
Dass nun schon wenige Tage später der Rüstwagen aus Burscheid angefordert werden musste, hat sicherlich eine besondere Note. Es zeigt sich aber, dass auch politische Entscheidungen oft kurze Beine haben können.

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Feuerwehr - kein Geld für Rüstwagen >>>

Kommentar (10.6.10)
Die BWL-Fraktion hatte sich im Zuge der Haushaltsberatungen intensiv mit den Forderungen der Feuerwehr auseinandergesetzt und den Wehrleiter, Horst Schmidtberg, zu Ausstattungsnotwendigkeiten befragt. Für die Feuerwehr stand der Rüstwagen an oberster Stelle und deshalb hatte sich die BWL-Fraktion für dessen Anschaffuing eingesetzt. Noch in der entscheidenden Ratssitzung am 29.4. beantragte BWL-Fraktionsvorsitzender Volker Jung die Einstellung der Anschaffungskosten des Rüstwagens in den Haushalt 2010. Nur drei Ratsmitglieder aus anderen Fraktionen folgten dem BWL-Antrag.
Nach den furchtbaren Bränden und Unfällen der letzten Wochen kann es nur ein Ziel geben: in 2011 muss der Rüstwagen endlich angeschafft werden!