Wirbel um Hartz-IV-Vorstoß des SCL
VON PETER KORN
Leichlingen (RP) Die Ankündigung von Udo Mau, dem Vereinsvorsitzenden des SC Leichlingen, wegen eines Streits um Steuerschulden bei der Stadt die Beitragsfreiheit für Heimkinder und Kinder von Hartz-IV-Empfängern zu kippen, hat gestern große Aufregung verursacht. Es gab aber nicht nur Kritik.
Es ist nicht das erste Mal, dass der SCL Kinder und Jugendliche für seine Ziele in die erste Reihe stellt. Dieses Foto entstand im April 2010 vor dem Rathaus, als der Verein für den Bau eines Kunstrasenplatzes demonstrierte. RP-Foto: UWe Miserius (Archiv)
"Warum wird eigentlich immer und in erster Linie auf Kosten der Schwächsten gespart?" – "Vereinspolitik mit Kindern zu machen, so etwas gehört sich nicht."
Die Reaktionen, die am Dienstag per Telefon oder E-Mail eingingen, waren emotional. So emotional, wie der Streit, der zurzeit zwischen dem SC Leichlingen und der Stadt tobt.
Am Vortag hatte der Vorsitzende des SCL, Udo Mau, gegenüber unserer Zeitung angekündigt, ab April die Beitragsfreiheit für Kinder von Hartz-IV-Empfängern zu streichen. Damit, so erklärte Mau, reagiere er auf die Forderung der Stadt, Gewerbesteuer aus 2005/2006 nachzuzahlen. Laut RP-Informationen soll es sich dabei um einen Betrag von rund 8600 Euro handeln.
Stadtsportbund völlig überrascht
Die Nachricht sorgte für Aufregung. Denn durch die Streichung der Beitragsfreiheit sind unter anderem auch Heimkinder aus der Kinder- und Jugenddorf St. Heribert betroffen. Entsprechend hart fiel die Kritik aus. "Ich habe wirklich überhaupt kein Verständnis dafür, wie Herr Mau in dieser Angelegenheit vorgeht", sagte etwa Volker Jung, Fraktionschef der Bürgerliste Witzhelden-Leichlingen.
SPD, Grüne und UWG äußerten sich ähnlich, aus der CDU kam dagegen Verständnis. "Herr Mau macht einen tollen Job, um den Club auf die Beine zu bringen. So einen Verein darf man nicht einfach hängen lassen", sagte Fraktionschef Frank Hake.
Frank Hake (CDU): "Ich habe selbst Fußball beim SCL gespielt. Herr Mau macht einen tollen Job, um den Club auf die Beine zu bringen. So einen Verein darf man nicht einfach hängen lassen. Der Bürgermeister, der das Thema zur Chefsache erklärt, sollte zügig handeln."
Beim Stadtsportverband fiel Vorsitzender Karlheinz Dick "aus allen Wolken", wie er sagte. Der Sportfunktionär fragt sich: "Warum ist Herr Mau nicht zu uns gekommen? Der Stadtsportverband ist das Bindeglied zwischen Vereinen und Stadt – wir hätten im Steuerstreit doch vermittelt." Dick fragt sich aber auch: "Wenn ein Verein Gewerbesteuer zahlen soll, ist er dann überhaupt noch gemeinnützig?"
"Eindeutig ja", versichern sowohl Leichlingens Finanzdezernent Horst Wende, als auch das Leverkusener Finanzamt. Das eine schließe das andere nicht aus. Warum die Stadt – wie von Mau heftig kritisiert – ihre sechs Jahre alten Forderungen gerade jetzt erhebt, wo der SCL mühsam versuche, wieder auf die Beine zu kommen, beantwortete Wende so: "Wir sind auf die Bescheide des Finanzamts angewiesen." Und die seien eben nicht früher eingetroffen.
Am Montag, 11. April, berät der Haupt- und Finanzausschuss über den Steuerstreit. Mau will hart bleiben, räumte gestern jedoch ein. "Auch mir tun die Kinder leid. Aber sie sind ja nicht die einzigen Betroffenen. Alle Mitglieder müssen mittlerweile einen höheren Beitrag zahlen." Der SCL sei der Verein, der in Leichlingen am meisten für sozial Schwache tue. Und das bleibe auch so.
Vereinsmitglieder sollen jetzt Patenschaften für die Betroffenen übernehmen. Mau sagt: "Ich will alle im Verein halten. Die Kinder sollen nicht leiden."


Rheinische Post vom 23.3.11